Burnout verstehen
- Dr. Celline Cole

- 10. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Was es ist, wie es eingeordnet wird – und was oft verwechselt wird

Burnout ist ein Begriff, der heute häufig verwendet wird und dabei oft missverstanden. Immer mehr Menschen spüren anhaltende Erschöpfung, innere Distanz zur Arbeit oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren, und fragen sich: Habe ich ein Burnout? Ist es schon eine Depression? Oder bin ich einfach nicht belastbar genug?
In diesem Artikel bekommst du einen kompakten, fundierten Überblick darüber, was Burnout tatsächlich bedeutet – und was nicht. Du erfährst, wie Burnout im ICD-11, dem internationalen Klassifikationssystem von Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), eingeordnet wird, woran man typische Merkmale erkennt, wie es sich von einer Depression unterscheidet und welche Faktoren das Risiko erhöhen. Ziel ist, dass du ein besseres Verständnis für das Konzept Burnout entwickelst und einschätzen kannst, ob du selbst möglicherweise gefährdet bist.
Was ist Burnout?

Burnout beschreibt einen Zustand tiefer körperlicher, emotionaler und mentaler Erschöpfung infolge von chronischem, arbeitsbezogenem Stress, der über längere Zeit nicht erfolgreich bewältigt wurde. Typisch ist, dass Betroffene zuvor sehr engagiert waren, oft mit hohem Idealismus und großen Ansprüchen an sich selbst.
Burnout nach ICD-11
In der ICD-11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten der WHO) wird Burnout NICHT als eigenständige psychische Störung geführt. Stattdessen wird es als so genanntes arbeitsbezogenes Syndrom klassifiziert (Diagnose-Code QD85).
Die ICD-11 beschreibt drei Kernmerkmale:
1. Emotionale Erschöpfung: das Gefühl, innerlich leer und ausgelaugt zu sein
2. Mentale Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit: innere Kündigung, Gleichgültigkeit, Reizbarkeit
3. Reduzierte Leistungsfähigkeit: das Gefühl, trotz Anstrengung nicht mehr wirksam zu sein
Wichtig: Burnout ist keine Diagnose, wie z.B. eine Depression oder eine Angststörung! Burnout ist vielmehr ein ernstzunehmender Risikozustand, der die psychische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen kann und zur Entstehung von psychischen Störungen, v.a. Depressionen führen kann.
Burnout oder Depression – wo liegt der Unterschied?
Burnout und Depression werden häufig verwechselt, überschneiden sich teilweise, sind jedoch nicht identisch.
Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass Burnout als primär arbeitsbezogen definiert ist. Die Erschöpfung zeigt sich vor allem im beruflichen Kontext und kann sich vor allem in frühen Phasen außerhalb der Arbeit zeitweise bessern, etwa an freien Tagen oder im Urlaub.
Depression hingegen ist eine psychische Störung, die alle Lebensbereiche betrifft. Typisch sind anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit sowie häufig Schuld- oder Wertlosigkeitsgefühle. Diese Symptome treten nicht hauptsächlich im Zusammenhang mit der Arbeitssituation auf und betreffen oft das gesamte Erleben und Verhalten einer Person.
Unbehandeltes Burnout kann jedoch in eine Depression übergehen und die Abgrenzung ist oft nicht eindeutig. Eine sorgfältige diagnostische Abklärung ist daher entscheidend.
Risikofaktoren und besonders gefährdete Berufsgruppen

Burnout tritt gehäuft in Berufen auf, die mit hoher Verantwortung, emotionaler Belastung und strukturellem Druck einhergehen, zum Beispiel:
Gesundheitswesen und Pflege
Sozialarbeit, Pädagogik und Lehrberufe
Führungskräfte und Management
Kundendienst und Service
Polizei, Rettungsdienste und Einsatzkräfte
Gemeinsam ist diesen Tätigkeiten häufig: hohe Anforderungen bei begrenzten Ressourcen und wenig Erholungsraum.
Zentrale Risikofaktoren
Burnout entsteht meist durch ein Zusammenspiel äußerer Arbeitsbedingungen und persönlicher Muster.
Arbeitsbezogene Risikofaktoren beinhalten z.B.:
Zeitdruck und Arbeitsverdichtung
Personalmangel
Geringe Autonomie und wenig Gestaltungsfreiraum
Ständige Erreichbarkeit
Mangelnde Anerkennung
Persönliche Risikofaktoren beinhalten z.B.:
Perfektionismus
Starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl
Hoher Idealismus
Selbstwert, der stark an Leistung geknüpft
Gerade diese Eigenschaften werden gesellschaftlich oft belohnt, erhöhen jedoch langfristig das Risiko, in eine Erschöpfungsspirale zu geraten.
Warum frühes Hinschauen so wichtig ist

Burnout entwickelt sich schleichend. Erste Warnzeichen wie chronische Müdigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit oder emotionale Distanz werden häufig lange ignoriert oder bagatellisiert. Je früher jedoch gegengesteuert wird, desto besser sind die Prognosen.
Coaching kann in frühen Phasen hilfreich sein, etwa bei Stressregulation, Werteklärung oder dem Umgang mit inneren Antreibern. Bei deutlichen depressiven Symptomen, Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken ist psychotherapeutische oder ärztliche Unterstützung unbedingt erforderlich.
Wichtig: Burnout ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein ernstzunehmendes Warnsignal. Wer versteht, wie Burnout entsteht und wo die eigenen Risikofaktoren liegen, kann frühzeitig gegensteuern und wieder zu mehr Gesundheit, Sinn und Lebensqualität finden.
Wenn du dich hier wiedererkennst
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass einige Beschreibungen auch auf dich zutreffen. Anhaltende Erschöpfung, innere Distanz oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren, sind wichtige Warnsignale und ein guter Anlass, genauer hinzuschauen.
Ein kurzer Selbsttest kann dir dabei eine erste Orientierung geben:
Burnout-Selbsttest: https://www.heiligenfeld.de/behandlungsfelder/psychosomatik/burnout/selbsttest
Hinweis: Der Test ersetzt keine professionelle diagnostische Abklärung, kann aber helfen, die eigene Situation besser einzuschätzen.
Wenn du unsicher bist, wie deine Symptome einzuordnen sind, oder merkst, dass du an deine Grenzen kommst, können wir gemeinsam schauen, was du gerade brauchst und welche Form der Unterstützung für dich hilfreich sein kann.
Hier kannst du Kontakt zu mir aufnehmen: https://www.cellinecole.com/kontakt
Quellen:
Beschoner (2018). Burnout und/oder Depression? Nervenheilkunde, 37(10), 716-722.
Bianchi, Schonfeld & Laurent (2015). Burnout–depression overlap: A review. Clinical Psychology Review, 36, 28-41.
Freudenberger (1974). Staff burn-out. Journal of social issues, 30(1), 159-165.
Heiligenfeldkliniken. Habe ich einen Burnout? Selbsttest. Verfügbar unter: https://www.heiligenfeld.de/behandlungsfelder/psychosomatik/burnout/selbsttest


